Haus des Buches
Literaturhaus Leipzig

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3. Februar 2023 / 15 Uhr / Foyer 1. Etage
Astrid Homuth »Wanderungen«
Künstlerinnengespräch und Führung durch die Ausstellung in der en passant Galerie der GEDOK Mitteldeutschland e. V.
»Ich arbeite vorwiegend in Aquarell- und Eitemperatechnik.

Für diese Ausstellung habe ich Bilder herausgesucht, die während des Internationalen Landschaftspleinairs in Schwedt an der Oder im Sommer 2022 entstanden sind. Die Arbeit am Wasser und mit dem Wasser und nicht gegen die Strömung.

Ich arbeitete am Wasser und ließ zarte Aquarelle durch mehrfaches Überspülen mit dem Flußwasser und erneutes Auftragen der Farbe entstehen.

Mit Eitempera konnte ich später die erfassten Strukturen auf Leinwand oder Holz als Bildträger bringen. Dabei ging es vorwiegend um den Prozess des Hinzufügens, Trocknens und Abwaschen der Farbe. Nichts ist von Bestand, Strukturen werden aufgebrochen und bilden die Grundlage für Weiteres. Es gilt, den Malprozess als solches zu verdeutlichen, der Weg ist das Ziel sozusagen.

Die entstehenden Ablagerungen sehe ich als Zeitspuren an, wie wirkt das Wasser, welche Veränderungen ergeben sich durch seine Kraft? Diese Zeitspuren und die Zeit als solches hat für mich, und viele andere, gerade im vergangenen Jahr eine neue Bedeutung gewonnen.

Die Krise hat mir die Unbeständigkeit der Dinge noch einmal vor Augen geführt. Ein neuer Umgang mit der Natur und den Prozessen, die wir nur scheinbar steuern können, ist nötig.

Die Form der Schichtung, des Übereinanderlegens verschiedener Ebenen, ist schon in früheren Arbeiten zu erkennen. Dabei bewegte ich mich mehr in der Landschaft als solche. Da das Aquarell bisher mein Hauptarbeitsgebiet ist, bezog sich der Arbeitsprozess auf die entsprechenden Materialien. Der Technik wohnt dabei oft ein meditatives Element inne, welches im künstlerischen Ergebnis ablesbar wird. Auch hier geht es ums Auftragen, Trocknen und Abwaschen, das Nutzen vorhandener Strukturen, um Neues zu entdecken. Vorhandenes wird genutzt, Nachhaltigkeit im Malprozess, sozusagen. Es entstehen Ablagerungen, die von feinen Schleiern bis hin zu dichten, undurchlässigen Schichten reichen. Abnahmevorgänge bringen mich zu tiefer gelegenen Schichten, stellenweise bis zum Weiß des Papiers oder der Leinwand an den Stellen, an denen die Farbe vollständig wieder verschwindet. Hier bleibt jedoch eine Leerstelle, man kann die ehemals vorhandenen Schichten erahnen und für das Neue nutzen. Alles ist im Fluss. Altes weicht Neuem und doch nicht. Es wird nicht entsorgt, sondern als Grundlage genutzt.

Diese Schichtungen, Farbabstufungen und Schattenbildungen als Malprozess möchte ich ergründen und auf verschiedenste Weise weitertreiben. Im Hinzufügen und Wegnehmen von Farbe als Material zeigt sich ein besonderes Verfahren, das sich gerade in Krisenzeiten auch auf das Leben außerhalb der Kunst übertragen lässt. Der Zufall ist ausdrücklich erwünscht, schnelle Reaktionen sind manchmal gefragt und manchmal nicht. Das Bild diktiert den Arbeitsprozess. Was wird entstehen?

Es werden typische Strukturen und Texturen entstehen, Baupläne der Natur, die hier aber in ihrer Eigenständigkeit bestehen und Abstraktionen erzeugen.« (Astrid Homuth)


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