Haus des Buches
Literaturhaus Leipzig

Veranstaltungen
© Foto: Ronald Hansch, Maya Claussen
9. Dezember 2020 / 19.30 Uhr / Literaturcafé
Findet digital statt - Details werden bekanntgegeben!
EINMISCHEN: »Weggesperrt. Warum Gefängnisse niemandem nützen«
Thomas Galli im Gespräch mit Elisa Hoven
Wem nützen Gefängnisse und wo richten sie Schaden an? Der Rechtsanwalt und ehemalige Gefängnisdirektor Thomas Galli zeichnet in seinem jüngst in der Edition Körber erschienenen Buch ein differenziertes Bild des Strafvollzugs und zeigt Alternativen zu sinnlosen Haftstrafen auf. - Unbestreitbar gibt es ein Bedürfnis der Gesellschaft nach Strafe: Wer gegen Gesetze verstößt, soll nicht ungeschoren davonkommen. Den Täter zur Verantwortung zu ziehen, ihn zur Reue anzuhalten, abzuschrecken, den Opfern Genugtuung zu verschaffen und die Gesellschaft vor Gefahren zu schützen - das sind die Hoffnungen, die sich an Gefängnisstrafen knüpfen. Aber aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung weiß Thomas Galli: Selten wird auch nur eins dieser Ziele erreicht.

In seiner Streitschrift fordert er daher den weitgehenden Verzicht auf Haftstrafen. Anhand vieler Beispiele aus seiner Praxis zeigt Galli, welche Alternativen bereits existieren, und diskutiert, wie wirkungsvolle Prävention, wie aber auch alternative Überwachung z. B. mittels elektronischer Fußfesseln funktionieren könnte. Den Täter-Opfer-Ausgleich und die Idee der Sühneleistung etwa durch soziale Arbeit beschreibt Galli als Möglichkeit, die Schuld gegenüber Opfern und Gesellschaft abzutragen. Notorische und hochgefährliche Straftäter sollten auch weiterhin inhaftiert werden, argumentiert Galli, doch für alle anderen brauchen wir einen alternativen, wirkungsvollen Strafvollzug.

Darüber diskutiert er an diesem Abend mit der Juristin Elisa Hoven, Professorin für deutsches und ausländisches Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschafts- und Medienstrafrecht an der Universität Leipzig. Sie ist zudem als Richterin des Verfassungsgerichtshofs des Freistaates Sachsen tätig.

Elisa Hoven studierte Rechtswissenschaft in Berlin, Nijmegen und Cambridge und war als Gastwissenschaftlerin an den Uni-versitäten Berkeley, Cambridge, Phnom Penh, Harvard, Basel, Los Angeles und Sydney tätig. Ihr Referendariat absolvierte sie in Berlin und am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Für ihre Habilitationsschrift zur Auslandsbestechung erhielt sie den Habilitationspreis der Universität Erlangen-Nürnberg. Ihre Promotion im Bereich des Völkerstrafrechts wurde mit dem Dissertationspreis der Freien Universität Berlin ausgezeichnet.

In ihrer Forschung befasst sie sich sowohl mit grundlegenden Fragen des Strafrechts als auch mit aktuellen kriminalpolitischen Themen wie Strafzumessung, Tierschutzstrafrecht und Hate Speech.

Infos und Anmeldung unter 0341 30 85 10 86 oder tickets@literaturhaus-leipzig.de

Einmischen! - Das Debattenformat der Körber-Stiftung und des Literaturhauses Leipzig, in Kooperation mit dem Mitteldeutschen Rundfunk


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