»Der literarische Wiedergänger. Wie Felix Hartlaub zur Figur von Normen Gangnus' NS-Roman wurde«
Lesung und Gespräch mit Normen Gangnus, Andreas Platthaus & Matthias Weichelt
Der Vergangenheit nahezukommen, geschichtliche Epochen und Ereignisse zu erkunden, ihre Protagonisten lebendig zu machen, gehörte schon immer zu den interessan¬testen Aufgaben der Literatur. In seinem Roman »›… mit zerrissenem Schlaf im Gesicht‹. Die Aufzeichnungen und Briefe des Arved von Sternheim« (Matthes & Seitz 2025) hat sich der Leipziger Schriftsteller Normen Gangnus für eine besonders radikale Erzählform entschieden: Die Erlebnisse seines fiktiven Helden, der mit der Beschaffung von Kunstwerken für Hermann Görings Sammlung betraut ist, werden nicht romanhaft ausgeführt, sondern anhand von Dokumenten, Briefen und Aufzeichnungen dargestellt.
Zu den realen Personen, denen von Sternheim im Roman gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Berlin begegnet, gehört auch Felix Hartlaub, Historiker, Tagebuchschreiber im Führerhauptquartier und Verfasser geheimer literarischer Notizen.
Gemeinsam mit dem Autor werden Andreas Platthaus (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Matthias Weichelt (Sinn und Form, Felix-Hartlaub-Gesellschaft) darüber sprechen, welche Funktion gerade der Figur Hartlaubs zukommt, wie dicht Fakten und Fiktionen in dem Buch verwoben sind, welche Fragen von Schuld und Verantwortung verhandelt werden, wie stark das Atmosphärische von Belegen unterfüttert wird - und wie daraus eine Atmosphäre der Beklemmung, Angst und Fatalität entsteht, die die historische Wirklichkeit mit den Mitteln der Literatur erfahrbar macht.
Eintritt: 10,- / 7,- EUR ǀ Veranstaltung in Kooperation mit der Felix-Hartlaub-Gesellschaft, unterstützt durch die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V. (ALG)