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21. Oktober 2019 / 17 Uhr / Literaturcafé
Zur Philologie des Bösen: Sprachkritik als Widerstand
Vortrag von Jeremy Adler
Einführung: Aurélia Kalisky

Jede repressive Herrschaft missbraucht die Sprache, um Gegner zu stigmatisieren und zu verfolgen. Die »Philologie des Bösen« untersucht diesen Missbrauch. Im Nationalsozialismus litt die Sprache in einem bis dahin unbekannten Ausmaß: Kennzeichnend sind eine Grammatik, die jede Regel bricht, Worte, die zu Schablonen verkümmern, Metaphern, die die Lüge propagieren. Eine »Sprache der Gewalt« führt unmittelbar zu Gewalttaten. - Doch es gab auch Widerstand gegen den Missbrauch der Sprache - bereits in den 1930er-Jahren, weitergeführt selbst in den Konzentrationslagern und fortgesetzt nach 1945. Der Vortrag zeigt, wie Karl Kraus die Sprachkritik, Victor Klemperer die Philologie, H.G. Adler die Etymologie und Dolf Sternberger eine ironische Betrachtungsart nutzten, um mit der »Philologie des Bösen« eine neue Wissenschaft zu begründen.

Jeremy Adler ist Professor Emeritus und Senior Research Fellow am Kings College London. Er forscht zur deutschen Literatur und zur Shoah. Zuletzt erschien sein Buch »Das absolut Böse. Zur Neuedition von ›Mein Kampf‹« (2018). Er ist Mitglied des Österreichischen PEN-Clubs und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt.

Foto: Aus dem Tagebuch von Victor Klemperer. Eintragung vom 16.12.1934 © Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 1996, 2008, Digitalisat. SLUB Dresden / Deutsche Fotothek / Regine Richter.

Eintritt frei

Veranstaltung des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur - Simon Dubnow, in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin


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